Gedichte
gehen über Grenzen, von denen man nicht weiß, ob man sie überqueren kann. Das
gilt für Autor und Leser
Brigitte Oleschins
Der König und sein Narr
Mein König, mein König so sag doch, so sprich,
was ist es im Leben, worauf’s ankommt für dich?
Ein König ist wie ein Lebensfluss,
der weiß, dass er nur fließen muss.
Damit er den Weg zum Meere schafft,
benötigt er geballte Kraft.
Und mächtig zieht er so dahin,
der Lebensfluss hat seinen Sinn.
Doch an der Oberfläche seicht, das tänzelt Kopf an Kopf
mit Köpfchen
ein winzig kleines Wassertröpfchen.
Das ist so närrisch frei und froh,
ist da und dort und nirgendwo,
sein Leben voll es da genießt
und merkt erst gar nicht, dass es fließt.
Es spürt vielmehr das freie Baden
mit all den and’ren Kameraden.
Sie bilden so an vielen Stellen
Des Flusses wunderbare
Wellen.
Doch diese Narren sind im Ganzen,
die eigentlichen Ursubstanzen.
Der König aber formt und bindet,
dass keiner dieser Narren verschwindet.
Er muss dabei sehr viel bedenken,
schwer beladen alle lenken
und immer wieder geben, geben,
ein König hat kein leichtes Leben.
Doch gibt die Summe dieser Fracht,
dem König immerhin auch Macht.
Den Narren ist mächtig- sein zu wenig,
sie lieben das Narr-Sein und dich, mein König.
Auf dem Hochbuchberg
Das Land zu deinen Füßen,
doch auch im Kopf
schweben lautlos die Gedanken
mit dem Wind. Wohin?
Unterwegs
Das Birkenblatt schwebt
getrennt und alleine
der Erde entgegen.
Jeder Windstoß verlängert
sein schwingendes Sein.
Doch hinunter drängt
der allmächtige Wille
und sein Aufprall ist Stille,
welch Wunder
Unwesen
Ist Sein sein oder ist Sein wesen?
Ist Wesen sein oder ist Wesen wesen?
West Wesen rein oder west Sein daheim?
Wenn nicht, wo bist gewesen?
Zu Ostern
Die Augen müd, die Sinne stumpf,
in der Hand den einz’gen Trumpf,
mit dem man sticht und sticht
und sticht,
bis alles ringsum niederbricht.
Der Kopf ist voller krauser
Späne
betreffend neuer Lebenspläne.
Der Bauch, geschwoll’n vom
vielen Bier,
die Luft eiskalt im Innern hier,
und für die eigentliche Feier
brauch ma noch Schinken, Kren
und Eier.
Dann endlich sind wir doch
bereit
für die beliebte Osterzeit.
Doch unser Selbst sogleich
entschwebt
dorthin, wo’s wahre Leben bebt.
Zurück bleibt stark und
fürchterlich
nur unser selbst gebautes Ich,
das dann verzehrt die letzten
Eier,
zu End ist auch die Osterfeier.
Und eines ist dann fast schon
Pflicht,
wir haben wieder Überg’wicht.
